Das Motorrad Magazin: Leidenschaft auf zwei Rädern
Motorradfahren ist weit mehr als eine Art der Fortbewegung. Es ist ein Lebensgefühl, das Freiheit, Adrenalin und absolute Naturverbundenheit vereint. In unserem Magazin tauchst du tief in die faszinierende Welt der Motorräder ein. Wir beleuchten alle Aspekte des Bikens, von der Fahrtechnik über Tourenplanung bis hin zur Sicherheit. Lass dich inspirieren, erweitere dein Wissen und entdecke völlig neue Perspektiven für deine nächste unvergessliche Ausfahrt auf dem Bike.
Was wiegt ein Motorrad?
Wenn du wissen willst, wie viel ein Motorrad wiegt, bekommst du keine einzelne Zahl, sondern...
Ab wann darf man Motorrad fahren?
Du willst wissen, ab wann du Motorrad fahren darfst? Das hängt von der Führerscheinklasse und...
Welches Motorrad passt zu mir?
Du willst ein Motorrad, das wirklich zu dir passt – nicht nur optisch, sondern auch...
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Die unbeschreibliche Faszination des Motorradfahrens
Wer noch nie auf einem Motorrad gesessen hat, kann das Gefühl oft nur schwer nachvollziehen. Es ist die unmitttelbare Verbindung zwischen Mensch, Maschine und der Umwelt, die das Biken so einzigartig macht. Wenn du mit dem Auto fährst, bist du ein passiver Beobachter der Landschaft, abgeschirmt durch Glas und Blech. Auf dem Motorrad bist du ein Teil der Szenerie. Du spürst die Temperaturunterschiede, wenn du an einem heißen Sommertag in ein kühles Waldstück eintauchst. Du nimmst die Gerüche der Natur wahr, fühlst den Winddruck auf deiner Brust und spürst jede Kontur des Asphalts unter deinen Reifen.
Darüber hinaus ist das Motorradfahren ein mentaler Reset. Die Bedienung eines Zweirads erfordert deine volle Aufmerksamkeit. Du musst Kupplung, Gas, Vorder- und Hinterradbremse koordinieren, während du gleichzeitig die Balance hältst und den Verkehr analysierst. Dieser hohe Grad an Konzentration lässt keinen Raum für Alltagssorgen. Viele Biker beschreiben das Fahren daher als eine Form der dynamischen Meditation. Du bist völlig im Hier und Jetzt, im sogenannten Flow-Zustand, in dem Handeln und Bewusstsein miteinander verschmelzen.
Nicht zuletzt ist es die starke Gemeinschaft, die diese Leidenschaft auszeichnet. Der obligatorische Bikergruß auf der Landstraße ist mehr als nur eine nette Geste; er ist das nonverbale Eingeständnis einer gemeinsamen Philosophie. Man hilft sich bei Pannen, tauscht sich an den bekannten Treffpunkten über Routen aus und teilt eine Verbundenheit, die unabhängig von Alter, Beruf oder Herkunft existiert.
Die vielfältige Welt der Motorradtypen
Motorrad ist nicht gleich Motorrad. Die Zweiradwelt hat sich im Laufe der Jahrzehnte enorm ausdifferenziert, um für jeden Fahrstil und jeden Einsatzzweck das perfekte Konzept zu bieten. Die Wahl der Maschine beeinflusst maßgeblich, wie du das Fahren erlebst.
Naked Bikes: Purismus und Agilität
Naked Bikes verzichten auf ausladende Verkleidungen und zeigen ihre Technik offen. Sie bieten eine aufrechte, leicht sportliche Sitzposition, die eine hervorragende Fahrzeugkontrolle ermöglicht. Durch ihren breiten Lenker lassen sie sich spielerisch durch enge Kurven dirigieren. Sie sind die perfekten Allrounder für die Landstraße und den städtischen Raum, wobei der fehlende Windschutz bei sehr hohen Geschwindigkeiten auf der Autobahn ein gewisses Maß an Leidensfähigkeit erfordert.
Supersportler: Die Jagd nach Sekunden
Diese Maschinen sind kompromisslos auf Leistung, Aerodynamik und Kurvengeschwindigkeit ausgelegt. Die Sitzposition ist stark nach vorn gebeugt, die Fußrasten sind weit hinten und oben montiert. Dies ermöglicht extreme Schräglagen, geht aber auf Kosten des Komforts. Supersportler fühlen sich auf der Rennstrecke am wohlsten, wo sie ihr volles Potenzial abseits der Straßenverkehrsordnung entfalten können. Technologisch sind sie oft die Speerspitze der Entwicklung, vollgepackt mit Assistenzsystemen wie schräglagenabhängiger Traktionskontrolle und Wheelie-Control.
Reiseenduros: Grenzenlose Freiheit
Die Reiseenduro ist das SUV unter den Motorrädern. Mit langen Federwegen, aufrechter Sitzposition und robuster Bauweise sind diese Bikes für die große Tour gemacht – auch wenn der Asphalt einmal aufhört. Sie bieten exzellenten Wind- und Wetterschutz, viel Platz für Gepäck und Fahrer sowie Beifahrer. Ob Alpenpass oder Schotterpiste in Skandinavien, Reiseenduros sind für jedes Abenteuer gerüstet und erfreuen sich daher seit Jahren ungebrochener Beliebtheit.
Cruiser und Chopper: Entspanntes Gleiten
Hier steht nicht die Geschwindigkeit im Vordergrund, sondern das Erlebnis, den satten Schlag eines großvolumigen Motors zu spüren. Eine tiefe Sitzposition, vorverlegte Fußrasten und ein flacher Lenkwinkel sorgen für souveränes Gleiten. Cruiser vermitteln das klassische Route-66-Gefühl und laden dazu ein, die Landschaft in einem ruhigeren Tempo zu genießen. Die optische Individualisierung, das sogenannte Customizing, spielt in diesem Segment eine besonders große Rolle.
Tourer: First-Class auf zwei Rädern
Wer Kontinente durchqueren möchte, ohne auf Komfort zu verzichten, wählt einen Luxustourer. Große Verkleidungen, die den Fahrtwind fast vollständig abweisen, integrierte Koffersysteme, beheizbare Sitze und moderne Infotainment-Systeme gehören hier oft zum Standard. Trotz ihres hohen Gewichts lassen sich diese Maschinen dank intelligenter Fahrwerkskonstruktionen erstaunlich dynamisch bewegen, sobald sie einmal in Fahrt sind.
Übersicht der Motorradkategorien
| Motorradtyp | Sitzposition | Ideales Einsatzgebiet | Charakteristik |
|---|---|---|---|
| Naked Bike | Aufrecht, vorderradorientiert | Landstraße, Stadtverkehr, Kurven | Wendig, puristisch, agil |
| Supersportler | Stark nach vorn gebeugt | Rennstrecke, kurvige Landstraßen | Leistungsstark, aerodynamisch, kompromisslos |
| Reiseenduro | Aufrecht, entspannt | Lange Touren, leichtes Gelände | Vielseitig, komfortabel, robust |
| Cruiser | Tief, Füße oft vorn | Gemütliche Ausfahrten, Boulevards | Drehmomentstark, schwer, stilvoll |
| Tourer | Aufrecht, sehr komfortabel | Urlaubsreisen, Autobahn, weite Strecken | Windgeschützt, geräumig, luxuriös |
Fahrtechnik: Die Kunst der sicheren Zweiradbeherrschung
Die physikalischen Gesetze lassen sich auf dem Motorrad nicht austricksen, aber wer sie versteht und nutzt, fährt sicherer und mit mehr Freude. Eine saubere Fahrtechnik ist das Fundament jedes guten Motorradfahrers und sollte kontinuierlich trainiert werden.
Die Bedeutung der Blickführung
Eine der goldenen Regeln des Motorradfahrens lautet: Du fährst dorthin, wo du hinschaust. Das menschliche Gehirn koordiniert unbewusst die Motorik des Körpers in Richtung des fokussierten Ziels. Wer in der Kurve auf den Begrenzungspfahl starrt, wird diesen mit hoher Wahrscheinlichkeit treffen (die sogenannte Ziel-Fixation). Eine korrekte Blickführung bedeutet, den Kopf aktiv in die Kurve zu drehen und den Kurvenausgang anzuvisieren. Der Blick tastet die Strecke weit im Voraus ab, anstatt direkt vor dem Vorderrad am Boden zu kleben. So hast du genügend Zeit, auf Veränderungen der Fahrbahnbeschaffenheit oder Hindernisse zu reagieren.
Der Lenkimpuls: Wie ein Motorrad wirklich lenkt
Ab einer Geschwindigkeit von etwa 30 km/h stabilisieren die Kreiselkräfte der Räder das Motorrad. Um dann eine Kurve einzuleiten, reicht es nicht mehr, das Gewicht zu verlagern. Hier kommt der bewusste Lenkimpuls ins Spiel. Möchtest du eine Rechtskurve fahren, drückst du den rechten Lenkerstummel leicht nach vorn. Das Vorderrad schlägt dadurch minimal nach links ein, das Motorrad kippt aus seiner stabilen Lage nach rechts in die Schräglage. Dieser Vorgang nennt sich Gegenlenken (Counter-Steering) und ist der effektivste Weg, um ein Motorrad schnell und präzise abzuwinkeln.
Kurvenstile: Legen, Drücken und Hanging-off
Je nach Situation bieten sich unterschiedliche Kurvenstile an. Beim Legen bilden Fahrer und Motorrad eine Linie, beide neigen sich im gleichen Winkel in die Kurve. Dies ist der natürliche und sicherste Stil für normale Landstraßenfahrten. Beim Drücken bleibt der Oberkörper des Fahrers aufrechter, während das Motorrad stark unter ihm in die Kurve gedrückt wird. Diese Technik eignet sich hervorragend für schnelle Ausweichmanöver oder in engen Serpentinen, da man blitzschnell die Richtung wechseln kann. Das Hanging-off, bei dem der Fahrer seinen Körperschwerpunkt stark nach innen und unten verlagert, reduziert die nötige Schräglage des Motorrads bei gleicher Kurvengeschwindigkeit. Diese Technik gehört auf die Rennstrecke, da sie auf der Landstraße die Übersicht einschränkt und zu viel Reaktionszeit beim Spurwechsel kostet.
Bremsen: Präzision entscheidet
Das Vorderrad überträgt beim starken Bremsen bis zu 100 Prozent der Bremskraft, da sich das Gewicht des Motorrads dynamisch nach vorn verlagert. Wichtig ist hier der progressive Bremsaufbau. Wenn du schlagartig in die Eisen gehst, kann der Reifen die Kraft nicht übertragen, da die Gewichtsverlagerung noch nicht stattgefunden hat. Ziehe den Bremshebel zunächst sanft an, um die Telegabel eintauchen zu lassen und den Druck auf den Vorderreifen zu erhöhen, und steigere dann die Bremskraft. Auch wenn moderne ABS-Systeme ein Blockieren der Räder verhindern, bleibt das feinfühlige Bremsen eine überlebenswichtige Kompetenz.
Motorradbekleidung: Deine zweite Haut
Auf dem Motorrad gibt es keine Knautschzone. Die richtige Bekleidung ist dein einziger Schutz bei einem Sturz und trägt zudem maßgeblich zum Fahrkomfort und damit zur Konzentrationsfähigkeit bei. Wer friert oder überhitzt, macht Fehler.
Leder oder Textil?
Die ewige Streitfrage unter Motorradfahrern. Leder bietet nach wie vor die besten Abriebwerte. Eine eng anliegende Lederkombi verrutscht im Falle eines Sturzes nicht, was bedeutet, dass die Protektoren exakt dort bleiben, wo sie schützen sollen. Leder dehnt sich mit der Zeit leicht und passt sich der Körperform perfekt an. Der Nachteil: Es ist nicht wasserdicht und kann im Hochsommer extrem warm werden.
Textilbekleidung punktet durch ihre enorme Vielseitigkeit. Dank atmungsaktiver Klimamembranen (wie Gore-Tex) bist du vor Regen geschützt, während Schweiß nach außen abtransportiert wird. Herausnehmbare Thermofutter und Belüftungsreißverschlüsse machen moderne Textilanzüge zu perfekten Begleitern für das ganze Jahr. Die Abriebfestigkeit von hochwertigem Cordura oder Kevlar-Verstärkungen ist mittlerweile extrem hoch, reicht jedoch bei extremen Geschwindigkeiten auf Asphalt noch nicht ganz an dickes Rindsleder heran.
Der Motorradhelm: Das wichtigste Ausrüstungsteil
Der Helm schützt das wichtigste Organ. Integralhelme bieten die maximale Sicherheit, da sie aus einer geschlossenen Schale bestehen und die Kinnpartie fest integriert ist. Klapphelme sind besonders bei Tourenfahrern und Brillenträgern beliebt, da sich das Kinnteil hochklappen lässt, was das Aufsetzen und die Kommunikation an der Tankstelle erleichtert. Jethelme bieten ein großartiges Gefühl von Freiheit und maximales Sichtfeld, lassen das Gesicht im Falle eines Frontalaufpralls jedoch völlig ungeschützt.
Achte beim Helmkauf immer auf die aktuelle Prüfnorm (ECE 22.06), die sicherstellt, dass der Helm auch bei Stürzen mit Rotationsbeschleunigung modernste Sicherheitsstandards erfüllt. Der Helm muss straff sitzen, ohne Druckstellen an der Stirn zu verursachen. Denke daran, Helme nach einem Sturz oder nach spätestens fünf bis sieben Jahren auszutauschen, da das stoßdämpfende EPS-Material im Inneren mit der Zeit aushärtet und seine Schutzfunktion verliert.
Protektoren: Unsichtbare Schutzengel
Moderne Protektoren bestehen oft aus viskoelastischem Schaumstoff. Dieses intelligente Material ist im Normalzustand weich und flexibel, was für einen hohen Tragekomfort sorgt. Bei einem Aufprall verhärtet sich das Material jedoch in Bruchteilen einer Sekunde und absorbiert die Aufprallenergie, bevor es wieder in seinen weichen Zustand zurückkehrt. Achte darauf, dass Schultern, Ellbogen, Knie und vor allem der Rücken durch CE-zertifizierte Protektoren (idealerweise Level 2) geschützt sind.
Tourenplanung: Das Abenteuer beginnt vor der Abfahrt
Eine gute Motorradtour ist mehr als nur das Abspulen von Kilometern. Die Wahl der Route entscheidet über das Erlebnis. Vermeide Autobahnen, wo immer es geht. Die wahre Freude am Fahren findest du auf kurvigen Landstraßen, durch Flusstäler und über Gebirgspässe.
Nutze bei der Planung spezielle Navigations-Apps oder GPS-Geräte für Motorradfahrer. Diese bieten oft die Option „Kurvenreiche Strecke“ an und leiten dich über Wege, die du im Auto-Navi niemals finden würdest. Teile dir die Strecke realistisch ein. Auf dem Motorrad sind 300 Kilometer auf der Landstraße deutlich anstrengender als im Auto. Plane regelmäßige Pausen ein – etwa alle ein bis zwei Stunden. Diese Pausen sind essenziell, um die Beine auszuschütteln, den Nacken zu entlasten und vor allem, um ausreichend Wasser zu trinken. Dehydration führt zu einem massiven Abfall der Konzentrations- und Reaktionsfähigkeit.
Fahren in der Gruppe: Dynamik und Disziplin
Zusammen mit Freunden zu fahren, vervielfacht den Spaß, erfordert jedoch klare Absprachen und Disziplin. In der Gruppe potenzieren sich Risiken, wenn nicht strukturiert gefahren wird.
- Die Reihenfolge: Der erfahrenste Fahrer mit der besten Streckenkenntnis fährt voraus. Der schwächste oder unerfahrenste Fahrer fährt direkt dahinter an Position zwei. So wird sichergestellt, dass das Tempo niemanden überfordert. Der „Lumpensammler“ am Ende der Gruppe sollte ebenfalls ein erfahrener Fahrer sein, der im Notfall absichert und den Überblick behält.
- Versetztes Fahren: Auf geraden Strecken wird versetzt gefahren. Der Führende fährt im linken Drittel der Fahrspur, der Zweite im rechten Drittel, der Dritte wieder links. Das vergrößert die Sichtfelder für alle und schafft Sicherheitsreserven beim Bremsen. Vor Kurven wird diese Formation aufgelöst, damit jeder Fahrer seine ideale Kurvenlinie wählen kann.
- Überholen: Jeder überholt für sich selbst. Verlasse dich niemals darauf, dass es „noch passt“, nur weil dein Vordermann überholt hat. Jeder Fahrer muss die Verkehrssituation eigenverantwortlich einschätzen.
- Niemanden zurücklassen: Eine simple Regel besagt: Jeder achtet auf den Fahrer hinter sich. Reißt die Gruppe ab, drosselt der Vorausfahrende das Tempo oder wartet an der nächsten Abbiegung. So reißt die Kette niemals ab.
Die Ergonomie auf dem Motorrad anpassen
Damit du auch nach mehreren Stunden noch entspannt im Sattel sitzt, muss die Ergonomie deines Motorrads zu deiner Anatomie passen. Viele Fahrer wissen nicht, dass sie Hand- und Fußhebel verstellen können. Die Brems- und Kupplungshebel sollten so geneigt sein, dass sie eine gerade Verlängerung deiner Unterarme bilden, wenn du in normaler Fahrposition auf dem Bike sitzt. Das verhindert ein Abknicken der Handgelenke und beugt Verkrampfungen und schmerzenden Sehnen vor.
Auch die Höhe des Schalthebels und des Fußbremshebels lässt sich in der Regel justieren, um sie perfekt an deine Stiefel und deine Beinlänge anzupassen. Wer besonders groß oder klein ist, kann über Modifikationen wie Lenkererhöhungen, tiefere Fußrasten oder eine aufgepolsterte beziehungsweise abgepolsterte Sitzbank nachdenken. Eine entspannte Körperhaltung ist die Basis für ermüdungsfreies und sicheres Fahren.
Motorradpflege: Wer gut schmiert, der gut fährt
Die regelmäßige Kontrolle und Pflege deines Zweirads erhöht nicht nur die Lebensdauer, sondern ist absolut sicherheitsrelevant. Vor jeder längeren Ausfahrt solltest du den WOLKE-Check durchführen: Wasser, Öl, Luft, Kraftstoff und Elektrik.
Prüfe den Reifendruck am besten bei kalten Reifen, da ein falscher Druck das Fahrverhalten massiv negativ beeinflusst – das Motorrad wirkt in Kurven schwammig oder kippelig. Ein Blick auf das Profil der Reifen verrät dir, ob du die gesetzliche Mindestprofiltiefe von 1,6 Millimetern noch einhältst (wobei für sicheres Fahren im Nassen mindestens 2 bis 3 Millimeter empfohlen werden).
Besondere Aufmerksamkeit verdient die Antriebskette. Sie muss regelmäßig gereinigt und frisch gefettet werden, idealerweise alle 500 bis 1.000 Kilometer oder direkt nach einer Regenfahrt. Achte auch auf die korrekte Kettenspannung gemäß dem Handbuch deines Motorrads. Eine zu straffe Kette ruiniert die Lager der Getriebeausgangswelle, eine zu lockere Kette kann im schlimmsten Fall vom Kettenrad springen.
Das Motorrad im Wandel der Jahreszeiten
Jede Jahreszeit birgt ihre eigenen Herausforderungen für Biker. Der Frühling lockt mit den ersten warmen Sonnenstrahlen, doch der Asphalt ist oft noch gefährlich kalt, was den Grip der Reifen drastisch reduziert. Zudem befinden sich nach dem Winter oft noch Split und Reste von Streusalz in den Kurven. Auch Autofahrer müssen sich erst wieder daran gewöhnen, dass schmale, schnelle Zweiräder im Straßenverkehr unterwegs sind.
Im Sommer besteht die größte Gefahr paradoxerweise in der Hitze. Wer in der prallen Sonne im Stau steht, riskiert in voller Ledermontur einen Hitzeschlag. Kühlwesten, die vor der Fahrt in Wasser getaucht werden, und Funktionsunterwäsche helfen dabei, die Körpertemperatur zu regulieren.
Der Herbst taucht die Landschaft in wunderschöne Farben, verwandelt Straßen jedoch durch nasses Laub und landwirtschaftliche Verunreinigungen in regelrechte Rutschbahnen. Zudem steht die Sonne sehr tief und kann den Fahrer extrem blenden – ein sauberes Visier ohne Kratzer ist jetzt Gold wert.
Die historische Entwicklung des Motorrads
Um das heutige Motorrad in Gänze zu schätzen, lohnt ein kurzer Blick auf seine Geschichte. Was im Jahr 1885 mit dem Reitwagen von Gottlieb Daimler und Wilhelm Maybach – einem plumpen, ungefederte Holzgefährt mit Stützrädern – begann, hat sich zu einem hochkomplexen technischen Meisterwerk entwickelt. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts waren Motorräder vor allem ein günstiges Fortbewegungsmittel für die Massen, das nach dem Zweiten Weltkrieg die Motorisierung breiter Bevölkerungsschichten ermöglichte.
Mit dem Aufkommen erschwinglicher Automobile in den 1960er Jahren drohte das Motorrad in die Bedeutungslosigkeit zu rutschen. Doch die Industrie reagierte genial: Das Motorrad wandelte sich vom reinen Nutzfahrzeug zum reinen Freizeit- und Spaßgerät. Die Motoren wurden stärker, die Fahrwerke straffer und das Design emotionaler. Heute stehen wir in einem Zeitalter, in dem die Elektronik das Fahren revolutioniert. Inertiale Messeinheiten (IMUs) messen die Bewegung des Motorrads in sechs Achsen und steuern blitzschnell ABS, Traktionskontrolle und semi-aktive Fahrwerke, um uns sicherer und schneller denn je über die Straßen gleiten zu lassen.
FAQ – Häufig gestellte Fragen rund ums Motorradfahren
Wie finde ich das richtige Motorrad für meine Größe und Erfahrung?
Als Anfänger solltest du ein Motorrad wählen, das dich nicht überfordert. Leichte Naked Bikes oder mittelgroße Reiseenduros mit einer aufrechten Sitzposition und moderater Leistung (oft im Bereich der A2-Führerscheinklasse bis 48 PS) sind ideal. Das Wichtigste ist, dass du mit beiden Füßen sicher und flach auf dem Boden stehst. Wenn du unsicher bist, besuche verschiedene Händler und mache ausgiebige Probefahrten. Achte darauf, wie leicht sich das Motorrad im Stand rangieren lässt.
Welche Regeln gelten für das Fahren in einer Motorradgruppe?
Sicherheit und Übersichtlichkeit stehen an erster Stelle. Fahrt auf geraden Strecken stets versetzt, um den Bremsweg zu vergrößern. Die Reihenfolge sollte so aufgebaut sein, dass der erfahrenste Fahrer die Gruppe anführt und der schwächste Fahrer direkt dahinter fährt. Überhole niemals blind deinem Vordermann hinterher und achte im Rückspiegel stets darauf, dass der Fahrer hinter dir nicht den Anschluss verliert.
Wie reagiere ich richtig, wenn das Hinterrad in der Kurve wegrutscht?
Ein wegrutschendes Hinterrad (Übersteuern) ist ein Schreckmoment. Wichtig ist: Nicht in Panik das Gas komplett zudrehen oder abrupt bremsen. Beides würde die Last schlagartig auf das Vorderrad verlagern oder einen sogenannten Highsider provozieren, bei dem das Hinterrad plötzlich wieder Grip findet und dich aus dem Sattel katapultiert. Halte das Gas stattdessen konstant oder nehme es nur minimal zurück und richte den Blick stur dorthin, wo du hinmöchtest. Moderne Traktionskontrollen regeln solche Rutscher heutzutage oft so schnell, dass du sie kaum noch spürst.
Wie oft sollte ich einen Fahrtechnik-Kurs besuchen?
Auch erfahrene Biker profitieren enorm von regelmäßigen Trainings. Es wird empfohlen, mindestens zum Start jeder neuen Saison ein kurzes Warm-up-Training beim ADAC oder bei lokalen Verkehrswachten zu absolvieren. Hier trainierst du Gefahrenbremsungen und Ausweichmanöver in einem geschützten Rahmen. Ein intensiveres Kurven- oder Schräglagentraining alle zwei bis drei Jahre hilft zudem, schlechte Angewohnheiten abzutrainieren und das Vertrauen in die Maschine zu stärken.
Wie lagere ich mein Motorrad im Winter richtig ein?
Vor der Einlagerung (dem sogenannten Einmotten) sollte das Motorrad gründlich gereinigt werden, um Korrosion durch Schmutz zu vermeiden. Erhöhe den Reifendruck um etwa 0,5 bar oder bocke das Motorrad komplett auf, um Standplatten zu vermeiden. Wenn du einen Metalltank hast, fülle diesen randvoll mit Benzin, um Rost im Inneren vorzubeugen. Die Batterie solltest du ausbauen und an ein intelligentes Erhaltungsladegerät anschließen. Zuletzt empfiehlt sich ein trockener, gut belüfteter Stellplatz und eine atmungsaktive Abdeckplane zum Schutz vor Staub.
Was gehört zwingend in das Bordwerkzeug für unterwegs?
Zusätzlich zur gesetzlich vorgeschriebenen Ausrüstung (wie dem Erste-Hilfe-Set und der Warnweste) solltest du bei längeren Touren ein Basis-Werkzeugset dabeihaben. Dazu gehören Inbus- und Torx-Schlüssel passend zu den Schrauben deines Bikes, eine Zange, Kabelbinder, Isolierband und ein Pannenset für schlauchlose Reifen, um im Notfall einen eingefahrenen Nagel abdichten zu können. Auch eine kleine Taschenlampe und Ersatzsicherungen haben schon manchem Fahrer nachts auf der Landstraße aus der Patsche geholfen.